Korruptionsseminare

Das Auge sieht, was es sucht.
Max Slevogt

Korruption

Wie korrupt ist Deutschland?

Im (aktuellsten) Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 2016, der, wie der Name bereits impliziert auf Wahrnehmungen und Befragungen basiert, steht Deutschland unverändert zum Vorjahr auf Platz 10. Da der CPI 176 Länder auflistet, stehen 166 Länder dieser Welt unter dem Gesichtspunkt Korruption demnach schlechter da, als Deutschland. So weit, so gut.
Da korrupte Praktiken aber in der Regel im Verborgenen bleiben (sog. Kontrolldelikte), stellt sich trotz dieser respektablen Platzierung Deutschlands die Frage, wie man mit diesem Ergebnis umzugehen hat. Müsste Presse und Öffentlichkeit diese Bewertung nicht ausschließlich positiv bewerten und darstellen, Seminaranbieter wie Beleif ihr Tätigkeitsfeld überdenken? Sind weitere Warnungen etc. noch angebracht? Macht es im Gegenzug Sinn, ohne Wenn und Aber stets den „Teufel an die Wand zu malen“, um das Thema von Bestechung und Bestechlichkeit nur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen?
Leider sind es immer die spektakulären Korruptionsfälle, die das Thema Jahr für Jahr gegenwärtig und aktuell machen. Beispiel Regensburg, wo der (inzwischen suspendierte) Oberbürgermeister nach langen Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft wegen verschiedener Korruptionsdelikte angeklagt wurde, aber selbst, bis hin zu einer entsprechenden Videobotschaft, seine Unschuld beteuert. Oder aber auch die Korruptionsvorwürfe gegen Franz Beckenbauer hinsichtlich der deutschen Fußball-WM 2006, die zu öffentlichen Fragestellung „Lichtgestalt oder korrupte Marionette?“ führten.
Losgelöst von den medienwirksamen Einzelfällen sollte sich jede Verwaltung, jede Institution und jedes Unternehmen darüber bewusst sein, dass mangelhafte bzw. fehlende Kontrollstrukturen die Hauptursache für Korruption sind, und daher diese internen Strukturen eigenständig oder mit Hilfe von ausgewiesenen Experten überprüfen und/oder herstellen, um immensen materiellen und immateriellen Schäden zu Lasten der Gesellschaft vorzubeugen. Erst wenn dieses Bewusstsein durchgängig selbstverständlich geworden ist, werden Rangplätze und spektakuläre Einzelfälle tatsächlich an Bedeutung verlieren. 


(Krefeld, den 10.01.2018)

 

Die Krebsmafia: Korruption bei Chemotherapie

Die Bestechung von niedergelassenen Ärzten soll schon bald durch die beiden neuen Paragrafen 299a und 299b StGB strafbar werden. Nach langer Diskussion liegt der Entwurf für das Gesetz zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen nunmehr auf dem Tisch und soll in Kürze im Bundestag verabschiedet werden. Die neuen strafrechtlichen Normen werden bereits als Durchbruch in der Korruptionsbekämpfung gefeiert. Nach (Anm.: zutreffender) Ansicht des Bundesjustizministers haben „Patientinnen und Patienten das Recht, in einer ärztlichen Behandlung das zu bekommen, was medizinisch angezeigt und notwendig ist und nicht das, was dem Behandler besondere Vorteile beschert“. 

In einer von Panorama und "Stern" durchgeführten Recherche zeigte sich, dass - beispielsweise - der Handel mit Krebs-Medikamenten, bei einem angenommenen Umsatz von jährlich 3 Milliarden Euro, ein besonders hohes Korruptionsgefährdungspotential hat. Da die Zusammensetzung der Chemotherapien so komplex ist, ist die Auswahl des Apothekers wohl ganz offiziell Sache des Arztes. Und weil das so ist, erleichtert diese Konstellation (Anm.: alsdann strafbare) finanzielle Absprachen zwischen Arzt und Apotheker. 

(Quelle: Panorama, 18.02.2016)